Satter Sound mit einer Brise Soul und Funk

07. 11. 16
von: Hans-Jochen Köpper (Badische Zeitung)

Passend zum Ambiente: Die Brass Band "Blosmaschii" spielte beim Saisonabschluss bekannte Filmmusik im Lenzkircher Kino.

LENZKIRCH. "Jetzt spiele mer scho über zehn Jahr z’samme und sin zum erschte mol in Lenzkirch". Fast ein wenig entschuldigend eröffnete Trompeter Sascha Kleiser den Abend. Und nach dem Ende hatten viele den Eindruck, dass sich die Musiker aus "Unadingen und Umgebung" dafür entschuldigen wollten, denn das zweistündige Programm hatte es in sich und sprühte nur so von musikalischen Leckerbissen.

Musik auf einer Bühne in einem Kino. Das passte, zumal die Band um Jürgen Engesser sich was Besonderes hatte für ihr Jahresabschlusskonzert einfallen lassen. Es gab zum einen an diesem Abend ausschließlich Filmmusiken zu hören, dazu gab es noch kurze Einspieler auf der Leinwand zu sehen, so dass die Zuschauer im wahrsten Sinn gut in den jeweiligen Film kamen.

Als Moderator fungierte Sascha Kleiser und scheute sich zuweilen auch nicht zum Film "White House Down" politisch die bevorstehende US-Wahl zu kommentieren. Doch auch zu dem Inhalt des Films Flash Dance – "ihr Männer hän den doch mindestens zehn mol mit euer Fraue aluege müsse...", gab es ungeklärte Fragen: "Do hän doch 100 Päärle guet tanzt und grad selli, wos nit hät könne, kriegt am End au no d´Hauptrolle."


Und dann kam’s ganz dick: Die Titelmelodie, "Time of my life" auf der Leinwand "gesungen" von Donald Trump und Hillary Clinton. Selten so gelacht.

Dass die Herren von Blosmaschii allesamt ihr Metier beherrschen, war bereits nach den ersten dreiviertel Takten aus "2001 – Odyssee im Weltraum" klar. Und klar war auch, warum die ersten drei Sitzreihen, im Gegensatz zum Rest des Saales, nur spärlich besetzt waren. Vorne war´s ordentlich laut, vor allem die drei Trompeten gaben richtig Gas, aber das Publikum wusste: Weiter hinten sind, wie im Kino üblich, die besten Plätze und dort klang es perfekt. Zu einem zuverlässigen und unaufdringlichen Background mit Bass, Tuba, Schlagzeug und Percussion gesellten sich drei Trompeten, ein Saxophon und zwei Posaunen. Satter Sound, groovige Pattern, jazzige Linien und natürlich eine Portion Soul und Funk. Doch auch die Fans eher leichterer Weisen kamen auf ihre Kosten, so zum Beispiel beim ausführlichen Herb Alpert Medley, das unschwer an den typischen James Last Sound anknüpfte. Und dass sie auch "konzertant" können, wurde beim Lied "Ohne Dich" der Münchner Freiheit schnell klar.

"Sister Act, Moulin Rouge, Blues Brothers, Hair, Pink Panther, Austin Powers, die musikalischen Filmikonen, sauber und interessant arrangiert und immer mit der gewissen optischen Dreingabe, denn die Herren auf der Bühne hatten allesamt nicht nur ausschließlich schwarz-weiße Kleidung an, sondern jeder von ihnen trug einen schwarzen und einen weißen Schuh. Alles andere als schwarz-weiß war hingegen die Musik, die vor Farbigkeit nur so sprühte und das hatte einen Grund: Da standen neun Musiker auf der Bühne, die erkennbar ihr Hobby leben und mit Begeisterung ans Werk gehen.

Unterhaltsam und interessant war noch das Publikumsspiel, bei dem es mehrere Filmmusiken zu erraten galt: Und tatsächlich gelang es einen Titel schon mit dem allerersten Ton zu erraten: Es war "The eye of the tiger" aus "Rocky" mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle und dafür konnte sich der Gewinner über zwei Kinokarten freuen.